Warum Hochzeiten nicht immer Spaß machen – Teil 2

Der Wahnsinn geht weiter und ich verfange mich zwischen Panik und Glücksmomenten und Vorfreude. Die Wege zwischen diesen Gefühlen sind verdammt kurz. Morgens so, mittags anders.

Irgendwann wird es Zeit, das Thema Torte anzugehen. Schon die Monate davor haben wir uns immer wieder Torten angesehen und gefühlt jeden Tag unsere Meinung geändert. Dann können wir uns endlich einigen und finden die perfekte Torte. Aber wer setzt sie um? Um Geld zu sparen suche ich privat nach Bäckern und finde einige. Richtig fühlt sich das nicht an. Und wenn etwas schief geht? Wenn die Dame spontan krank wird? Das Risiko will ich nicht tragen. Ich rufe die wohl beliebteste Konditorei der Stadt an und frage unser Datum an. „Für diesen Tag haben wir keine Kapazitäten mehr frei. Sie sind zu spät.“ „Ok“, sage ich, „Auf wiedersehen“. Ein kurzer Moment stille in mir und dann breche ich mal wieder aus.

„Wir bekommen keine tolle Torte!“

Ruft es immer wieder durch meinen kleinen und roten Kopf. Da sitze ich also, am Bahnhof in einem Café und die Tränen laufen an meinem traurigen Gesicht herunter. Lennart geht nicht ans Telefon. Obwohl er null Verständnis für meine Ängste hat, so gibt es mir trotzdem immer wieder Mut. Ich kontaktiere Anna, Sie tröstet mich und baut mich auf.

„Es ist ja nur eine Torte, da erinnert sich in zehn Jahren niemand mehr dran“

sagt eine andere Freundin und ich merke: Ich bin alleine damit. Wer nicht in dieser Situation war, der kann die Relevanz einer Torte nicht nachvollziehen. Als „bride-to-be“ verliere ich nun mal den Bezug zur Realität.

Ich brauche mal wieder Luft zum Atmen.

Ich fange an Abstand zu nehmen von diesem Zirkus. Für eine kurz Zeit vergesse ich die Hochzeit sogar. Wenn jemand nach dem Stand der Planung fragt, sage ich „Gut…Gut…Gut…“ Und verstumme dann. Habt ihr … und …?

Ich höre nicht mehr hin. Ich resigniere förmlich. Das Wort Hochzeit kann ich nicht mehr hören. Die Countdown-App auf meinem Handy steht still. Ich habe das Gefühl, beim Wort Traumhochzeit brechen zu müssen. Was für ein abscheuliches Wort, das dir suggeriert, dass dieser Tag perfekt sein soll – wie in einem Traum eben.

Schlussendlich ist es einfach nur ein Tag in unserem Leben. Sicherlich ein mehr als besonderer, an den wir uns auf ewig zurück erinnern werden und von dem wir lange Zeit zehren werden. Aber ein perfekter Tag macht eben keine glückliche Ehe.

Was mich am meisten belastet?

So langsam merke ich, wie das alles an meine Substanz geht. Was mich am meisten belastet? Ich. Die anderen. Mein Perfektionismus. Natürlich muss alles schön werden. Natürlich muss alles besser als bei den anderen werden.

Schon vor der Planung unseres Tages hatte ich Angst, den tatsächlichen Grund der Planung aus den Augen zu verlieren: Lennart und ich. Unsere Entscheidung. Ist es schon soweit? Hat das alles überhand genommen? JA, ich stehe kurz davor. So sehr ich mich auch auf diesen Tag freue, so löst er auch negativen Stress in mir aus.

Ich werde langsam entspannter, entfolge unzähligen Accounts und konzentriere mich auf Lennart. Und auf mich. Auf uns. Ich fange an das Positive und Schöne aus dieser Zeit zu nehmen. Freue mich unglaublich auf meine Familie an diesem Tag. Bin so gespannt auf Lennarts Reaktion auf mein Kleid. Ich höre einfach auf, andere über unseren Tag bestimmen zu lassen. Kommentare wie „Aber dies und Jenes fehlt euch auch noch“ ignoriere ich genauso gekonnt wie Sätze wie „Warum braucht ihr das denn auch noch? Ich betreibt viel zu viel Aufwand. Früher war das anders.“ Langsam wird das unser Tag. Die Situation wird entspannter. Dieser Wechsel meiner Selbst wird belohnt.

Ich verstehe, was ich brauche und was nicht.

Lennart und ich entwickeln gemeinsam eine Vorstellung von unserem Tag. Bei einem Termin in unserer Location klärt sich so viel. Ich gebe ab. Das erste Mal gebe ich Dinge aus der Hand, weil ich Vertrauen habe. Meine To-Do-Liste wird schlagartig kleiner und ich deutlich leichter. In einem stillen Moment sagt die Dame der Location: „Sie sind eine wirklich angenehme Braut, das freut mich sehr.“ Ein schöneres Kompliment hätte man mir nicht machen können.

Auf einmal lösen sich Probleme von selbst.

Ich kann wieder lachen und empfinde, neben Aufregung, viel Vorfreude auf diesen Tag. Der Moment, wenn der Druck wegfällt, wenn das „Wie“ plötzlich zur Nebensache wird und es nur noch um die Entscheidung geht, dann ist das unglaublich befreiend.

Wir können es auch Glück nennen.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment nach der Feier. Als ich im Hotelbett lag, mein Brautkleid neben mir. Mein Handy voller Nachrichten. Menschen, die an uns gedacht haben. Freunde und Familie, die schon Fotos geschickt haben. Glück nenne ich das. Und Liebe. Mir läuft eine Träne die Wange runter. Für diesen Moment hat es sich gelohnt. Für die Erinnerung. An unsere tanzenden Freunde. An die Familienmitglieder und die glühende Fotobox. An den Blickkontakt, den Lennart und ich den Tag über hatten.

Memories stay forever.

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