Warum Hochzeiten nicht immer Spaß machen – Teil 1

Ein Tag im Dezember, irgendwo in England, mitten in einem Park und dem Regenschirm über uns.

„Möchtest du meine Frau werden?“

Nach der Frage aller Fragen genießen wir unser kleines Geheimnis in London. Während ich mich noch am Anblick meines neuen Schmuckstückes erfreue, beginnt das Gedankenkarrussel. Was erst furchtbar romantisch beginnt, nimmt schnell einen kräftezehrenden Lauf an. „Du hast doch eh schon alles seit Jahren geplant.“ sagen meine Freundinnen während ich noch nicht mal weiß, wo ich da überhaupt anfangen soll.

Wir legen unseren Tag fest und starten höchst motiviert. Neun Monate Zeit kommen uns ewig vor, kann ja nicht so kompliziert sein, dieses Hochzeitsding. Wie wenig Ahnung wir haben, merken wir schnell. Sehr schnell. Wir stürzen uns in die Arbeit und versuchen an unserer To-Do-Liste zu arbeiten. Auf eine beantwortete Frage folgen fünf Neue und die Zeit sitzt uns Ende Januar auch im Nacken.

Die erste Hürde bildet der Rahmen der Feier. Während ich in den letzten Jahren von einer kleinen und feinen Feier geträumt habe, nimmt Lennarts Gästeliste kein Ende. So werden aus 40 Personen schnell 60 bis wir bei 100 dann den finalen Schlussstrich setzten. Oder eher setzen müssen. Der Weg dahin ist lang, kostet Tränen und Diskussionen. Nach der ersten Erkenntnis mit der Zeit, lernen wir: Hochzeiten sind höchst emotional, für beide Parteien. Warum auch immer. Aus klein und fein wird jetzt also mittelgroß und fein. Auch in Ordnung, stelle ich irgendwann fest. Schnell kommt auch die Frage nach dem lieben Geld.

„Hochzeiten sind teuer“

sagen immer alle, Zahlen nennt keiner. Während Lennart noch der Meinung ist, er würde mit drei Monatsgehältern aus dieser Nummer rauskommen, wurde ich bereits eines besseren belehrt. Bei den ersten Anfragen für eine passende Location sortieren wir alles im Bereich 80 – 100 € pro Person kategorisch aus, wir wollten ja bodenständig bleiben.

Noch lachen wir über Paare, die so viel Geld für einen Tag ausgeben, noch. Dann stellen wir fest, dass das normal ist, ziemlich normal sogar. Das Lachen vergeht uns und wir begreifen, was wir da eigentlich ins Rollen gebracht haben. Wir rechnen und rechnen, überlegen und rechnen weiter. Ziemlich unromantisch, dieses Summieren von Zahlen, aber auch das gehört dazu. Leider.

Der Rahmen steht

Der Rahmen steht also, wir beginnen mit dem Inhalt. Da die Zeit immer knapper wird, fangen wir wie wild an, Fotografen und Locations anzurufen.  „Tut uns leid, an diesem Tag haben wir leider keine Kapazitäten mehr frei“ höre ich täglich mehrmals. Nach dem zehnten Fotografen, der an unserem Tag schon ein anderes Paar begleitet, breche ich endgültig in Tränen aus. So langsam wird diese Hochzeit zur Challenge, fast wie ein Hindernisparkour.

„Accepted!“

sage ich mir und mache weiter. Der elfte Fotograf auf meiner Liste ist an unserem Tag noch frei. Keine Jubelschreie, aber unendliche Erleichterung und Hoffnung. Ein echter Glücksgriff, stellt sich später heraus.

Der Kampf mit den Inspirationen

Wieder einen Schritt weiter, machen wir uns langsam Gedanken zum Stil unserer Hochzeit. Zum ersten Mal begreife ich die Bedeutung des Wortes „Hassliebe“. Kein Wort kann meine Beziehung zu Pinterest und Instagram besser beschreiben. Ich wusste schon vorher nicht, was ich eigentlich wollte.

Beim Anblick der vielen quadratischen Bilder auf meinem Handy, alle perfekt und wunderschön, wird mein Kopf immer leerer.

Zu Allem Überfluss suche ich Hilfe in einer Facebook Gruppe. „DIY Hochzeit“ lautet der harmlose Begriff für die Schlacht der schönsten und besten Einladungen und dekorativen Elemente. Warum diese Gruppe für kurze Zeit mein Leben wird? Ich weiß es nicht, der Wunsch nach einer schönen Feier und die Hilflosigkeit spielen dabei wohl eine übergeordnete Rolle.

Der Begriff Vintage rollt über uns, es scheint kein Weg vorbei zu führen an Spitzenbändern, Holzscheiben und kleinen Weck-Gläsern. „Das gehört doch dazu, macht doch jeder“ höre ich oft. Dass ich nicht „jeder“ bin und bei Stilfragen noch nie Wert auf zweite Meinungen gelegt habe, ist in meiner Situation Fluch und Segen zugleich.

Meine Recherche geht weiter und Pinterest lehrt mich vieles und unter anderem, dass es noch eine Hochzeitswelt außerhalb der Vintageblase gibt. So naiv und einfach wie ich in die Sache herangegangen bin, habe ich nicht daran gedacht, dass es Dekokonzepte mit Namen dahinter gibt. Neben Vintage und Boho, gibt es also noch Greenery, Scandinavian, Industrial, Urban und viele weitere Namen, die mir nichts sagen. Obwohl ich diese Vielfalt der Themen verfluche, gibt sie mir schnell auch einen Rahmen. Weiß, grün und offen soll es werden und Greenery trifft es da am ehesten.

Mit diesem Wissen muss ich jedoch auch feststellen, dass ich meine Ansprüche runterschrauben muss. Nicht alles, was ich da auf den quadratischen Bildern sehe, können wir auch haben. Da wären wir wieder bei der Sache mit dem Geld. Meine Gruppe der Freundinnen spaltet sich in zwei Lager: Unverheiratet + Euphorisch und Verheiratet + Realistisch. Die unterschiedlichen Vorstellungen und all die Ideen überfordern mich. Ich merke: Eine Hochzeit plant man zwar in erster Linie für sich selbst, aber in zweiter Linie immer auch für die Anderen. Von unseren Eltern brauche ich nicht anzufangen, denn die haben sowieso ihre eigenen Annahmen und Wünsche. Traurig, aber leider auch wahr: Ich denke zu viel an die anderen. Nervt mich und ich entwickle ein Abwehrsystem. Oder auch:

Ich höre einfach auf, anderen von der Hochzeit zu erzählen. Ablenken vom Thema, das kann ich mittlerweile gut.

Zieht dein Mann nicht mit, läuft nichts

Die Annahme, dass Hochzeiten Frauensache sind, setzt mich vor eine weitere Erkenntnis: Zieht dein Mann nicht mit, läuft nichts.

Es folgen unzählige Diskussionen über Kerzenständer und Blumenarrangements mit Lennart. Egal was ich Lennart zeige, er ist dagegen: Zu kitschig, zu romantisch, zu schlicht, zu edel, zu alles. Wir vertagen diese Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt, wie so vieles.

Noch vier Monate und das Ticken der Uhr wird immer lauter. Der einzige Punkt bei dem Lennart und ich d’accord gehen, ist die Papeterie. Wir gestalten am Design und am Logo bis alles perfekt ist. Dementsprechend sind unsere Einladungen immer noch nicht fertig, denn wir suchen nach dem Besonderen, nach etwas Unerwarteten. So langsam, oder auch etwas schneller, gerate ich in Panik.

Mein Zeitplan gerät außer Kontrolle, irgendwie läuft es nicht so perfekt wie ich es mir vorgestellt habe. Lennart hat keine Eile, gibt aber mit der Produktion ordentlich Gas damit ich ihm nicht mehr in den Ohren liege. In der Zwischenzeit entwickle ich ein Talent dafür, noch mehr in Panik zu verfallen. In meiner Selbsthilfegruppe für Bräute – pardon – ich meine natürlich der DIY Hochzeit Gruppe, suche ich nach Verbündeten. Oder auch nach Bestätigung dafür, dass wir viel zu spät dran sind mit dem Versand unserer Einladungen.

Hat funktioniert, bei den anderen läuft natürlich alles besser und nach Plan. Ich weine, mal wieder. Warum? Diese Frage stelle ich mir inzwischen nicht mehr.

Warum zum Teufel heiraten wir nicht zu zweit, still und heimlich und vor Allem – GANZ WEIT WEG? WARUM?

Warum wir es nicht getan haben, lest ihr im zweiten Teil dieses Beitrags.

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